Sachverständigenprüfung am Öltank: Ablauf und Bericht
Die Sachverständigenprüfung ist die neutrale Kontrolle Ihres Öltanks – durchgeführt nicht vom Fachbetrieb, sondern von einem unabhängigen, anerkannten Sachverständigen. Sie weist nach, dass Tank, Sicherheitseinrichtungen und Auffangvorrichtungen dem Stand der Technik entsprechen, und ist für viele Anlagen in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben.
Wer prüft – und warum nicht der eigene Fachbetrieb?
Anders als die jährliche Wartung oder die Tankreinigung führt die Sachverständigenprüfung nicht Ihr Fachbetrieb durch, sondern ein unabhängiger Sachverständiger. Er muss von einer nach § 52 AwSV anerkannten Sachverständigenorganisation (SVO) bestellt sein – etwa TÜV, DEKRA oder eine vergleichbare Organisation.
Diese Trennung hat einen Grund: Der Fachbetrieb baut die Anlage ein, repariert und reinigt sie. Der Sachverständige bewertet das Ergebnis neutral und ohne wirtschaftliches Eigeninteresse. So ist sichergestellt, dass die Prüfung zum Gewässerschutz nicht von demjenigen vorgenommen wird, der die Arbeit selbst ausgeführt hat.
Kurz gesagt: Der Fachbetrieb arbeitet am Tank, der Sachverständige beurteilt ihn. Beide Rollen sind gesetzlich getrennt und lassen sich nicht durch eine einzige Person abdecken.
Wann ist die Prüfung fällig? Anlässe und Intervalle
Die AwSV kennt mehrere Prüfanlässe, zu denen ein Sachverständiger zwingend hinzugezogen werden muss:
- Vor der Inbetriebnahme: Erstprüfung nach Errichtung einer neuen Anlage.
- Nach wesentlicher Änderung: etwa nach Einbau einer Innenhülle, Tankaustausch oder Änderung des Rückhaltevolumens.
- Wiederkehrend im Betrieb: in festen Zeitintervallen.
- Vor der Stilllegung: Abschlussprüfung nach § 47 AwSV, dass die Anlage ordnungsgemäß außer Betrieb genommen wurde.
- Auf behördliche Anordnung: bei begründetem Verdacht auf eine Gewässergefährdung.
Die wiederkehrenden Intervalle richten sich nach Bauart, Volumen und Lage der Anlage:
- Oberirdisch über 10.000 Liter: alle 5 Jahre.
- Unterirdische Erdtanks (jede Größe): alle 5 Jahre.
- In Wasserschutz- und Überschwemmungsgebieten: deutlich strenger – das Intervall verkürzt sich auf 2,5 Jahre, und oberirdische Tanks sind dort bereits ab 1.000 Litern prüfpflichtig.
- Oberirdisch bis 10.000 Liter außerhalb von Schutzgebieten: keine wiederkehrende Sachverständigenprüfung, aber Eigenüberwachung durch den Betreiber.
Tipp: Auch wenn Ihr oberirdischer Tank unter 10.000 Litern bleibt und außerhalb eines Schutzgebiets steht, sind Sie deutschlandweit zur regelmäßigen Eigenüberwachung verpflichtet – eine freiwillige Sichtprüfung durch den Fachbetrieb schafft hier zusätzliche Sicherheit.
Der Prüfumfang – was der Sachverständige kontrolliert
Jede Prüfung gliedert sich in zwei Teile: eine Ordnungsprüfung der Unterlagen und eine technische Prüfung der Anlage selbst. Geprüft werden insbesondere:
- Dichtheit: Sichtkontrolle von Tankkörper, Schweißnähten, Anschlüssen und Bodenbereich auf Ölaustritt, Schwitzstellen oder feuchte Spuren.
- Innenzustand und Korrosion: Beurteilung der Außenkorrosion – vor allem am Tankboden und an den Nähten; bei gereinigten oder leeren Tanks auch von innen. Reinigungsnachweise werden herangezogen.
- Aufstellung und Standsicherheit: Kontrolle auf Beulen, Verformungen, Standfestigkeit und ausreichende Abstände zu Wänden.
- Sicherheitseinrichtungen: Funktion und korrekte Einstellung von Grenzwertgeber (Überfüllsicherung), Antiheberventil, Leckanzeige und – bei oberirdischen Tanks – der Auffangwanne.
Der Grenzwertgeber wird dabei nicht nur in Augenschein genommen, sondern auf Bauart, Eintauchtiefe und Abschaltfunktion geprüft. Die Auffangwanne muss flüssigkeitsundurchlässig und frei von Rissen oder unzulässigen Durchbrüchen sein.
Erdtank im Blick: Domschacht, Leckanzeige, Innenhülle
Bei unterirdischen Erdtanks liegt der Tankkörper im Boden – eine direkte Sichtprüfung des Mantels ist nicht möglich. Hier verschiebt sich der Schwerpunkt der Prüfung:
- Leckanzeigegerät: Die Dichtheit wird indirekt über das Vakuum- oder Überdruck-Leckschutzsystem nachgewiesen. Der Sachverständige kontrolliert das Betriebsbuch und löst einen Probealarm aus.
- Domschacht: muss sauber, trocken und zugänglich sein. Geprüft werden Armaturen und Rohrdurchführungen auf Korrosion und Dichtheit.
- Innenhülle (Leckschutzauskleidung): Bei einwandigen Tanks, die mit einer Innenhülle saniert wurden, wird deren Funktion über das Vakuumgerät überwacht.
Damit die Prüfung reibungslos läuft, sollte der Domschacht frei von Erde und Wasser sein und der Grenzwertgeber sich ausbauen lassen. Eine Tankreinigung im Vorfeld erleichtert dem Sachverständigen die Beurteilung des Innenzustands erheblich.
So läuft die Prüfung vor Ort ab
Für Sie als Betreiber ist der Termin meist unkompliziert. Ein typischer Ablauf sieht so aus:
- Unterlagen sichten: Der Sachverständige prüft Tankzulassung, Fachbetriebsbescheinigungen und Betriebsbuch (Ordnungsprüfung).
- Technische Inaugenscheinnahme: Sichtkontrolle von Tank, Leitungen, Auffangwanne und Domschacht.
- Funktionsprüfung: Test von Grenzwertgeber, Leckanzeige und weiteren Sicherheitseinrichtungen.
- Bewertung und Bericht: Festhalten der Ergebnisse und Einstufung etwaiger Mängel.
- Plakette: Bei mängelfreier oder nur geringfügig beanstandeter Anlage bringt der Sachverständige eine Prüfplakette mit dem nächsten Termin an.
Halten Sie zum Termin Tankzulassung, Nachweise der letzten Reinigung oder Sanierung sowie das Betriebsbuch bereit – das beschleunigt die Ordnungsprüfung spürbar.
Prüfbericht und Mängeleinstufung
Das Ergebnis hält der Sachverständige in einem standardisierten Prüfbericht fest. Sie erhalten ein Exemplar; ein weiteres geht in der Regel an die zuständige Untere Wasserbehörde. Festgestellte Mängel werden in Stufen eingeordnet:
- Ohne Mangel: Die Anlage entspricht allen Anforderungen.
- Geringfügiger Mangel: kein unmittelbares Risiko (z. B. fehlende Beschriftung). Beseitigung in der Regel innerhalb von 6 Monaten, meist ohne Nachprüfung.
- Erheblicher Mangel: mögliche Umweltgefahr (z. B. defekter Grenzwertgeber, gerissene Auffangwanne). Unverzügliche Beseitigung und anschließende Nachprüfung durch den Sachverständigen.
- Gefährlicher Mangel: akute Gefahr (z. B. undichter Tank). Die Anlage ist sofort außer Betrieb zu nehmen; die Behörde wird umgehend informiert.
Wichtig: Mängel an prüfpflichtigen Anlagen darf – von Kleinstmängeln abgesehen – nur ein zertifizierter Fachbetrieb nach AwSV beheben. Lassen Sie Prüfung und Mängelbeseitigung daher Hand in Hand von erfahrenen Partnern erledigen, damit Ihr Tank in Deutschland zuverlässig und gesetzeskonform bleibt.