Korrosion am Stahltank: Lochfraß erkennen und handeln
Ein Heizöltank aus Stahl kann von außen tadellos aussehen und trotzdem am Boden bereits durchgerostet sein – Schuld ist die Innenkorrosion. Ein Wasser-Schlamm-Gemisch im Sumpf wirkt als Elektrolyt und treibt Lochfraß von innen nach außen durch die Stahlwand. Wer die Anzeichen rechtzeitig erkennt, kann den Tank oft retten und teure Ölschäden vermeiden.
Wie Korrosion am Stahltank entsteht
Ein Heizöltank aus Stahl ist robust – doch sein größter Feind sitzt im Inneren. Heizöl EL enthält stets geringe Mengen Wasser, das durch Kondensation bei Temperaturschwankungen oder über die Tankbelüftung eindringt. Weil Wasser schwerer ist als Öl, sinkt es zu Boden und vermischt sich dort mit Alterungsrückständen des Öls zu einem zähen Wasser-Schlamm-Gemisch.
Genau dieses Gemisch wird zum Problem: Es wirkt als Elektrolyt und bildet zusammen mit der Stahlwand ein galvanisches Element. Dort, wo die schützende Oxidschicht des Stahls durch Ablagerungen gestört ist, löst sich das Metall punktförmig auf – die elektrolytische Korrosion beginnt. Da die Entnahmeleitung bewusst einige Zentimeter über dem Boden endet, damit kein Schlamm zum Brenner gelangt, bleibt dieser „Sumpf" über Jahrzehnte liegen und greift die Wand ungestört an.
Innenkorrosion und Außenkorrosion: zwei Schadensbilder
Korrosion kann den Tank von zwei Seiten angreifen – mit ganz unterschiedlichem Verlauf:
- Innenkorrosion entsteht chemisch-elektrolytisch am Tankboden im Sumpf. Sie ist die häufigste Schadensursache bei älteren Stahltanks und arbeitet sich von innen nach außen durch die Wand.
- Außenkorrosion entsteht durch Umwelteinflüsse: bei oberirdischen Kellertanks etwa durch Feuchtigkeit, fehlende Isolierung oder direkten Bodenkontakt, bei Erdtanks durch das umgebende Erdreich an Fehlstellen der Außenbeschichtung.
Der entscheidende Unterschied: Außenkorrosion ist bei einer Sichtprüfung meist erkennbar – Innenkorrosion bleibt verborgen, bis sie die Wand durchbrochen hat. Bei unterirdischen Stahltanks wird die Unversehrtheit der Außenbeschichtung deshalb vor dem Einbau per Hochspannungsprüfung kontrolliert, da bereits kleinste Fehlstellen massive Korrosion auslösen können.
Lochfraß: warum der Schaden von außen oft unsichtbar bleibt
Lochfraß (Pitting) ist die tückischste Form der Korrosion. Statt die Wand flächig abzutragen, frisst er sich punktförmig wie eine Nadel durch den Stahl. Über dem Durchbruch kann eine hauchdünne Farb- oder Metallschicht stehen bleiben, sodass der Tank von außen „fast wie neu" wirkt, während der Boden bereits von winzigen Löchern durchsetzt ist.
Genau deshalb ist Lochfraß so gefährlich: Erst wenn das Öl die letzte Schicht durchbricht, wird der Schaden sichtbar – und dann ist der Tank bereits undicht. Zuerst betroffen ist fast immer der Tankboden im Bereich des Sumpfes, wo das aggressive Wasser-Schlamm-Gemisch dauerhaft anliegt.
Wichtig: Ein äußerlich makelloser Stahltank ist keine Garantie für Dichtheit. Der Zustand der Innenwand am Boden lässt sich nur bei einer gereinigten, entleerten Anlage zuverlässig beurteilen.
So erkennen Sie Korrosion rechtzeitig
Innenkorrosion verrät sich selten von selbst – sie wird vor allem bei zwei Gelegenheiten entdeckt:
- Sichtprüfung bei der Tankreinigung: Ist der Sumpf abgepumpt und der Tank gereinigt, inspiziert der Fachbetrieb die Innenwand. Warnzeichen sind „Rostblumen", Narben, Pickel und Aufwölbungen in der Stahlwandung.
- Sachverständigenprüfung nach AwSV: Ein zugelassener Sachverständiger beurteilt Dichtheit, Sicherheitseinrichtungen und Korrosionsanzeichen – etwa im Domschacht eines Erdtanks.
Wann ein Sachverständiger Pflicht ist, hängt von Größe und Lage ab: oberirdische Tanks über 10.000 Litern und alle unterirdischen Tanks alle 5 Jahre, in Wasserschutz- und Überschwemmungsgebieten alle 2,5 Jahre (dort oberirdisch bereits ab 1.000 Litern). Kleinere oberirdische Tanks außerhalb von Schutzgebieten sind nicht prüfpflichtig, aber eigenüberwachungspflichtig – die regelmäßige Sichtkontrolle liegt dann bei Ihnen.
Die Risiken: Undichtigkeit, Ölaustritt und § 89 WHG
Ein durchkorrodierter Tank ist nicht nur ein technischer Defekt, sondern ein erhebliches Haftungsrisiko. Tritt Heizöl aus, gilt in Deutschland die verschuldensunabhängige Gefährdungshaftung nach § 89 WHG: Sie haften für alle Folgeschäden – von der Bodensanierung bis zur Grundwasserreinigung – unabhängig davon, ob Sie den Schaden verschuldet haben.
Schon der Verdacht auf Undichtigkeit löst Pflichten aus: Die Anlage ist außer Betrieb zu nehmen, austretendes Öl muss unverzüglich der Unteren Wasserbehörde oder der Polizei gemeldet werden. Wer Arbeiten an der Anlage unsachgemäß selbst ausführt, riskiert zudem Bußgelder und den Verlust des Versicherungsschutzes.
Bereits wenige Liter Heizöl können große Mengen Erdreich und Grundwasser belasten. Die Sanierungskosten eines Ölschadens übersteigen die Kosten einer rechtzeitigen Tanksanierung in der Regel um ein Vielfaches.
Sanieren oder austauschen – und wie Sie vorbeugen
Ist Korrosion entdeckt, die statische Festigkeit aber noch gegeben, lässt sich ein Stahltank meist retten:
- Reinigung und Innenhülle (Leckschutzauskleidung): Nach der Reinigung wird eine maßgefertigte Kunststoff-Innenhülle eingelegt, deren Zwischenraum ein Leckanzeigegerät dauerhaft überwacht. Der Tank wird so faktisch doppelwandig – die Hülle hält das Öl zurück, selbst wenn der Stahl durchbricht. Bei einwandigen unterirdischen Stahltanks ist diese Nachrüstung nach § 68 AwSV Voraussetzung für den Weiterbetrieb.
- Tankaustausch: Bei tiefen Narben, gefährdeter Statik oder ungeeigneter Bauform ist der Austausch gegen ein modernes, korrosionsfreies System (z. B. einen Kunststoff-Batterietank) oft die wirtschaftlichere und wartungsärmere Lösung.
Welche Variante günstiger ist, hängt vom Einzelfall ab – als Richtwert für den deutschen Markt liegt eine Innensanierung meist deutlich unter einem kompletten Tankaustausch. Vorbeugen lässt sich am wirksamsten mit einer regelmäßigen Tankreinigung alle 5 bis 10 Jahre, die den Sumpf entfernt, bevor er die Wand angreift. Da beim Umgang mit Heizöl (WGK 2) ab 1.000 Litern die Fachbetriebspflicht nach § 45 und § 62 AwSV gilt, gehören Reinigung, Sanierung und der Einbau einer Innenhülle in jedem Fall in die Hand eines zertifizierten Fachbetriebs nach AwSV.