Dieseltank reinigen und Dieselpest bekämpfen
Verstopfte Filter, eingetrübter Kraftstoff und ein gallertartiger Schleim am Tankboden sind typische Anzeichen für die sogenannte Dieselpest – einen mikrobiellen Befall an der Grenzschicht zwischen Diesel und Wasser. Begünstigt durch Kondenswasser, Biodiesel-Anteile und lange Standzeiten kann sie ganze Anlagen lahmlegen. Wer den Befall früh erkennt, vermeidet teure Schäden an Pumpen, Düsen und Tank.
Was ist Dieselpest?
Der Begriff „Dieselpest“ klingt dramatisch, beschreibt aber ein rein biologisches Phänomen: den mikrobiellen Befall von Diesel oder Heizöl durch Bakterien, Hefen und Schimmelpilze. Fachlich spricht man von Bio-Sludge-Bildung oder mikrobieller Kontamination. Die Mikroorganismen leben nicht im Öl selbst, sondern an der Grenzschicht zwischen Kraftstoff und Wasser am Tankboden – dort finden sie Wasser zum Leben und Kohlenwasserstoffe als Nahrung.
Eine zentrale Rolle spielt der FAME-Anteil (Biodiesel): Modernem Dieselkraftstoff werden nach den Biokraftstoffvorgaben bis zu 7 % Fettsäuremethylester beigemischt. FAME ist hygroskopisch, zieht also Wasser an, und dient den Keimen als ideale Nahrungsquelle. Zudem ist es weniger lagerstabil als rein mineralischer Kraftstoff und altert chemisch schneller. Genau diese Kombination aus Wasser und Bio-Anteil macht Dieseltanks anfällig.
Wichtig zu wissen: Der Befall beginnt meist unsichtbar. Im klaren Kraftstoff ist über Monate nichts zu erkennen, während sich am Tankboden bereits Biomasse aufbaut. Erst wenn sich Filter zusetzen oder die Anlage stört, wird das Problem offensichtlich – dann ist der Befall oft schon weit fortgeschritten.
Ursachen: Wasser und lange Standzeiten
Dieselpest entsteht praktisch immer dort, wo sich Wasser im Tank sammelt und der Kraftstoff lange steht. Die wichtigsten Ursachen sind:
- Kondenswasser: Temperaturschwankungen lassen an den Tankinnenwänden Feuchtigkeit niederschlagen. Wasser ist schwerer als Diesel und setzt sich am Boden ab – die perfekte Lebensgrundlage für Mikroorganismen.
- FAME als Wasserzieher: Der Biodiesel-Anteil bindet zusätzlich Feuchtigkeit aus der Luft und verstärkt die Wasserphase.
- Lange Standzeiten: Selten genutzte Tanks – etwa in Notstromaggregaten oder Reservebeständen – bieten den Keimen ungestörte Zeit zur Vermehrung. Wo ständig frischer Kraftstoff durchläuft, kommt der Befall seltener vor.
- Wärme und Teilfüllung: Warme Standorte und halbleere Tanks mit großer Luftoberfläche beschleunigen Kondensation und Mikrobenwachstum.
Dieselpest ist kein „Schmutzproblem“, sondern ein lebendiger Prozess: Solange Wasser und Nährstoffe vorhanden sind, vermehren sich die Keime immer weiter – auch in einem ansonsten sauber wirkenden Tank.
Folgen: verstopfte Filter, Düsen und Korrosion
Die Stoffwechselprodukte der Mikroorganismen bilden einen zähen, gallertartigen Bioschlamm, der sich an Wänden und am Boden absetzt. Daraus ergeben sich konkrete Betriebsstörungen:
- Verstopfte Filter und Leitungen: Der Schleim setzt Kraftstofffilter rasch zu – häufiger Filterwechsel ist ein klassisches Warnsignal.
- Blockierte Einspritzdüsen: Besonders die feinen Düsen moderner Common-Rail-Systeme reagieren empfindlich; Leistungsverlust und Störabschaltungen sind die Folge.
- Mikrobiell induzierte Korrosion (MIC): Manche Keime scheiden Säuren aus, die an Metalltanks und Leitungen Lochfraß verursachen können – im schlimmsten Fall bis zur Undichtigkeit.
- Beeinträchtigte Sicherheitstechnik: Schlamm kann Armaturen wie Antiheberventile in ihrer Funktion stören.
Gerade bei Anlagen, die im Ernstfall laufen müssen – etwa Netzersatzanlagen –, kann ein unbemerkter Befall zum Totalausfall führen.
Professionelle Dieseltank-Reinigung
Ist der Befall einmal da, hilft kein bloßes Nachtanken: Die Biofilme an den Tankwänden würden frischen Kraftstoff sofort wieder infizieren. Eine fachgerechte Reinigung geht deshalb gründlich vor:
- Kraftstoff abpumpen und filtern: Der noch brauchbare Diesel wird entnommen und aufbereitet.
- Bodensatz entfernen: Das Wasser-Schlamm-Gemisch am Boden wird abgesaugt und ordnungsgemäß entsorgt.
- Innenreinigung: Wände und Boden werden gereinigt, sodass keine Biofilme zurückbleiben.
- Sichtprüfung: Kontrolle auf Korrosion, Lochfraß und Schäden.
- Wiederinbetriebnahme und Dokumentation: Sie erhalten einen Reinigungsbericht und einen Entsorgungsnachweis für die Rückstände.
Fachbetriebspflicht beachten: Da mit wassergefährdenden Stoffen umgegangen wird, dürfen Reinigung und Instandsetzung von Heizöl- und Dieselverbraucheranlagen nach § 45 AwSV in der Regel nur zertifizierte Fachbetriebe nach AwSV ausführen. Als Betreiber sind Sie nach § 46 AwSV verpflichtet, die Anlage zu überwachen und bei Störungen zu handeln.
Vorbeugen statt bekämpfen
Die wirksamste Strategie gegen Dieselpest ist, ihr die Lebensgrundlage zu entziehen. Bewährt haben sich in Deutschland:
- Wasser konsequent ablassen: Wo baulich möglich, sollte das Sumpfwasser am Tankboden regelmäßig abgelassen werden – ohne Wasser keine Keime.
- Lagerstabilen Brennstoff wählen: Für die Langzeitlagerung empfiehlt die einschlägige Technik schwefelarmes Heizöl nach DIN 51603-1 ohne Biodiesel-Anteil oder speziellen Premium-Diesel ohne FAME.
- Bestände bewegen: Regelmäßiger Verbrauch und Nachfüllen verhindern, dass Kraftstoff über Jahre steht.
- Trockene, kühle Lagerung: Stabile Temperaturen reduzieren die Kondenswasserbildung.
Biozide nur mit Vorsicht: Spezielle Additive können die Lagerstabilität erhöhen und das Keimwachstum hemmen. Der Einsatz von Bioziden zur „Schockbehandlung“ ist jedoch über die Biozid-Verordnung streng reglementiert und gehört in fachkundige Hände – nicht in die Eigenregie. Ein Biozid tötet zudem nur die Keime; der bereits gebildete Schlamm muss trotzdem mechanisch entfernt werden.
Einsatzbereiche: Heizung, Notstrom, Landwirtschaft, Gewerbe
Dieselpest betrifft überall dort, wo Diesel oder Heizöl gelagert wird – mit unterschiedlichen Schwerpunkten:
- Heizung und Notstrom: Heizöltanks und vor allem Netzersatz- bzw. Notstromaggregate mit langen Standzeiten sind besonders gefährdet, weil der Kraftstoff über Monate oder Jahre ungenutzt bleibt.
- Landwirtschaft: Hoftankstellen und Maschinen-Dieseltanks stehen oft saisonal still und sind Temperaturschwankungen ausgesetzt.
- Gewerbe und Fuhrpark: Betriebstankstellen, Bau- und Reservetanks profitieren von regelmäßiger Kontrolle, um Ausfälle teurer Maschinen zu vermeiden.
In allen Fällen gilt: Tanks ab bestimmter Größe und Lage – etwa unterirdische Tanks, oberirdische über 10.000 Litern oder in Schutzgebieten bereits ab 1.000 Litern – unterliegen der wiederkehrenden Prüfpflicht durch Sachverständige. Eine Reinigung im Vorfeld macht den Tankzustand dabei optimal beurteilbar.